Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten

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Bild des Monats

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Arnold Böcklin (1827 - 1901)

Maipfeifen schnitzende Kinder (Frühlingslied) (1865)
Öl auf Leinwand, 64,5 x 96,5 cm
Bezeichnet unten rechts: A.Böcklin fec./Romae
Provenienz: Johannes Rudolf Fürchtegott Graf von
Zeppelin-Aschhausen, Baden-Baden (1866);
Mathilde Alice Gräfin von Zeppelin-Aschhausen (1893);
Maximilian Vollrath Fürchtegott Graf von Zeppelin-Aschhausen
(1926); Galerie Ernst Arnold, Dresden;
Erworben: 1927

Dieses auch "Frühlingslied" genannte Gemälde gehört nach Georg Schmidt "menschlich und künstlerisch zu Böcklins beglückendsten Schöpfungen".
Ein braungebrannter, verschmitzt lachender Hirtenjunge mit Hut erteilt einem kleinen Knaben, dem ein Glöcklein um den Hals gebunden ist, ersten Unterricht im Flötenspiel. Die beiden sitzen auf einem von einer Blumenwiese bewachsenen Felsen am Ufer eines Gewässers nahe bei einem Schilfdickicht, welches das Material für die Flöte geliefert hat, hält doch der ältere noch das Schnitzmesser in der Hand. Der Kleine, noch etwas unbeholfen, entlockt dem frisch geschnittenen Schilfrohr die ersten Töne und scheint über den Erfolg selbst verblüfft zu sein. Wie ein musizierender Barockengel bläst ein dritter Junge etwas weiter hinten aufrecht stehend die Flöte, sich als geübter Spieler im Rhythmus des Schilfes wiegend. Figuren und Landschaft sind in einem paradiesischen Zustand verschmolzen, in dem die Natur mit dem kindlichen Tun harmonisch zusammenklingt: Angelockt von den Flötenklängen, zwitschert nämlich ein Distelfink, und einige Frösche quaken dazu. Die hellen Farben sowie die auf genauem Naturstudium beruhende Schilderung der Pflanzenwelt in ihrem üppigen Wachstum tragen bei zur glaubhaften Beschwörung der Idylle. Böcklin stellt, möglicherweise in Anlehnung an Friedrich Schillers Abhandlung "Über naive und sentimentalische Dichtung", gleichsam das Idealbild eines naiven Zustands dar. Darin wird die Einheit des Menschen mit der Natur als in der Kindheit noch ungebrochen beschrieben.
Der Maler verbildlicht gleichsam die Uranfänge der Musik, die unmittelbar der Natur entwächst. Dies ereignet sich in diesem Bild jedoch nicht in einer menschheitsgeschichtlichen Frühzeit, wie sie die Mythen erzählen etwa bei Pan, der die Panflöte erfindet, oder beim muschelblasenden Triton -, sondern in einer entwicklungspsychologischen "Frühzeit" des Menschen, in der Kindheit. Das einzelne Individuum entdeckt oder erfindet die Musik jeweils neu für sich, gleichsam die Kulturgeschichte der Menschheit in kurzer Zeit durchlaufend.
Böcklin, der Kinderfreund und fürsorgliche Familienvater, erkundete in zahlreichen Bildern Wesen und Ausdruck der heranwachsenden Kleinen, die ihn inspirierten. "Je mehr Kinder ich habe, desto mehr Lust habe ich zum Arbeiten." Im Jahre 1853 hatte er Angela Pascucci geheiratet. Angela, eine überaus tüchtige Hausfrau, gebar in der Folge zwölf Kinder, von denen sechs bereits in jungen Jahren starben. In ihren Memoiren beschrieb sie eindrücklich des Malers inniges Verhältnis zu Kindern: "Am hervorstechendsten zeigten sich die Wesenszüge seiner Natur im Verkehr mit den Kindern. Aus allem sprach eine grosse leidenschaftliche Liebe, besonders solange die Kinder noch klein waren. Keines behandelte er so wie das andere, denn er machte schon früh, je nach ihrem Charakter, Unterschiede auch in seinen Neigungen."