Deutsche Malerei
Deutsche Malerei des 18. und 19. Jahrhunderts
Es gibt kaum eine neuere Publikation über die deutsche Romantik oder über die Münchner Malerei des 19. Jahrhunderts, in der nicht Bilder des Museum Oskar Reinhart figurieren - ein Beweis dafür, wie prominent diese Epochen in Winterthur vertreten sind.
Oskar Reinharts sammlerisches Konzept war stark durch die Berliner Jahrhundertausstellung von 1906 geprägt. Die Veranstalter wollten mit dieser wichtigen Schau eine Neubewertung der deutschen Malerei bewirken. Deshalb klammerten sie alles Akademische, Historische und Anekdotische aus und richteten ihr Augenmerk auf das "Unbekannte oder das weniger Bekannte". Sie spürten die bildgewordene Poesie der Romantiker und den lebendigen Natursinn der Realisten wieder auf und suchten das "Malerische" in der Kunst. Eben darin folgte ihnen Oskar Reinhart.
So sind in seiner Sammlung manche Künstler zum Teil mit grösseren Werkgruppen vertreten, die in Berlin der Vergessenheit entzogen wurden, wie zum Beispiel Friedrich, Runge, Kersting und andere, deren Bedeutung man erst damals erkannte, darunter Marées, Leibl und Thoma.
Was die Künstler der Folgezeit betrifft, so sind sie längst nicht mehr so dicht vertreten wie die Romantiker, die Realisten und Idealisten. Die Verbindungslinien zur deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts werden nicht kontinuierlich verfolgt. Max Liebermanns Malereien zeigen seine Entwicklung aus naturalistischen Anfängen zu einem spezifisch deutschen Impressionismus auf. Deutsch-impressionistisch ist auch Max Slevogt, voller Licht- und Farbreize. Diese Werke markieren im Ensemble deutscher Kunst die Grenzen von Oskar Reinharts Interessenkreis.
Mag auch die deutsche Malerei im Museum Oskar Reinhart nicht umfassend dargestellt sein, so erhält die sehr persönliche Auswahl des Sammlers doch durch ihre gleichmässig hohe Qualität verbindlichen Rang.
