Schweizer Malerei
Schweizer Malerei des 18. und 19. Jahrhunderts
Oskar Reinharts Auswahlkriterien liessen ihn immer wieder eigene Wege gehen. Dabei hat er - vor allem für die Bewertung der Schweizer Kunst - auch Neuland erschlossen: Vergessene Maler wie François Ferrière, Caspar Wolf, Friedrich Simon, Frédéric Dufaux, Daniel Ihly hat er wieder ans Licht gebracht. Besondere Aufmerksamkeit verdient seine Wolf-Kollektion, erkannte er doch als einer der ersten, dass Wolf der bedeutendste Schweizer Landschaftsmaler des 18. Jahrhunderts war.
Welchen Wert Reinhart der Genfer Malerei beimass, zeigt sich in verschiedener Hinsicht: Schon früh plante er ein eigenes Jean-Etienne Liotard-Kabinett, und die Präsentation der Künstlerfreunde Jacques-Laurent Agasse, Adam-Wolfgang Töpffer und Firmin Massot ist von seltener Reichhaltigkeit.
Einen weiteren Schwerpunkt der Sammlung bilden die siebenundzwanzig Gemälde von Ferdinand Hodler. Es entsprach Reinharts Konzept, dass er dem realistischen Frühwerk sowie den späten Landschaften Hodlers den Vorzug gab und auf die symbolischen und historisch-dramatischen Kompositionen verzichtete. Oskar Reinhart zählt somit zu den Entdeckern des frühen Hodler.
Was Reinharts Präferenzen in Bezug auf die zeitgenössische Kunst betrifft, sind es primär freundschaftliche Bindungen und Verpflichtungen, die seine Auslese bestimmten. Ohne Ausnahme bekannte er sich zu Künstlern, die der gegenständlichen Darstellungsweise verpflichtet waren. Dazu gehören die Maler Karl Walser, Wilfried Buchmann, Hans Schoellhorn, Alexandre Blanchet und der Bildhauer Hermann Hubacher, der ihm persönlich am nächsten stand. Sie alle tragen kaum zum internationalen Ruf der Sammlung bei. Es sind indessen auch diese Freundschaften charakteristisch für Oskar Reinharts Beziehung zur Kunst: "Unter Künstlern aufwachsen zu dürfen und von ihnen zum Sehen erzogen zu werden, das war der grosse Glücksfall meiner Jugendzeit. Noch immer sind sie meine Ratgeber geblieben, auch in Angelegenheiten des täglichen Lebens".
